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Belgisches Erbrecht - endlich reformiert

Mehr Freiheit bei der Verfügung über Ihr Erbes

In der jetzt noch geltenden Gesetzgebung sind die Kinder und der Ehepartner, in bestimmten Situationen, selbst die Verwandten die Pflichtteils-berechtigten Erben. Die neue Gesetzgebung führt eine Vereinfachung ein, die gleichzeitig dem Erblasser mehr Freiheit einräumt. In der Tat wird mit Inkrafttreten des neuen Gesetzes der Pflichtteil immer der Hälfte des Nachlasses entsprechen, unabhängig von der Anzahl der anwesenden Kinder. Die Nutzung der anderen Hälfte des Nachlasses (d.h. der verfügbare Betrag) kann von den Erben nicht mehr angefochten werden.

Der Ehegattenpflichtanteil bleibt von der neuen Gesetzgebung unberührt: Er besteht weiterhin aus dem Nießbrauch auf die Hälfte des Besitzes. In Zukunft wird dieser Nießbrauch jedoch hauptsächlich an der verfügbaren Quote festgemacht. Kinder haben als Pflichtteils-berechtigte Erben daher eine größere Chance, ihren Nachlass von Nießbrauch befreit zu sehen.

Die derzeitige Gesetzgebung betrachtet Verwandte als Pflichtteils-berechtigte Erben für den Fall, dass der Verstorbene keine Kinder hat. Dieses Recht wird in der neuen Gesetzgebung gestrichen und durch Unterhaltszahlungen ersetzt für den Fall, dass der oder die Betroffenen die Notwendigkeit nachweisen können.

Berechnung des Pflichtteils

Ist der Pflichtteil in Anspruch genommen worden (z. B. durch zu hohe Geschenke des Verstorbenen), können die Pflichtteils-berechtigten Erben verlangen, dass diese Sachspenden in Natura in den Nachlass zurückgegeben werden. In dieser Hinsicht sind vor allem Spenden in Form von Immobilien anfällig. Um hier Abhilfe zu schaffen, hat der Gesetzgeber den Sachwert in einen Geldwert umgewandelt. Die pflichtteilsberechtigten Erben können in Zukunft nicht mehr hoffen, alle oder einen Teil einer Sachleistung zurückzuerhalten, dafür aber den Gegenwert in Geld.

Gleichheit zwischen den Erben

Der Pflichtanteil setzt sich, wie in der geltenden Gesetzgebung, aus allem zusammen, was der Verstorbene am Tag seines Todes besitzt, und umfasst auch alle Geschenke, die er in der Vergangenheit getätigt hat. Was sich bei der Schätzung dieser Spenden (ob bewegliche oder unbewegliche Güter) ändert ist, dass ihr Wert nicht mehr auf der Grundlage ihres Wertes zum Zeitpunkt des Todes berechnet wird, sondern auf der Grundlage ihres Wertes am Tag der Spende. Dieser wird bis zum Todestag indexiert. Der Gesetzgeber wollte damit den Grundsatz der Gleichheit zwischen den Erben wiederherstellen. Bisher war diese Methode der Wertberechnung am Todestag nur für unbewegliches Vermögen gültig und könnte daher eine Ungleichheit zwischen den Erben schaffen. Die der Verstorbene jedoch hatte vermeiden wollen.

Erbvertrag - mehr Freiheit

Die neue Gesetzgebung gibt den beteiligten Personen mehr Flexibilität im Hinblick auf einen eventuellen Erbvertrag. Bis jetzt ist solch ein Vertrag durch die Gesetzgebung nahezu ausgeschlossen. Mit der neuen Gesetzgebung bleibt der Erbvertrag grundsätzlich verboten, aber die Ausnahmeregelungen werden vielfältiger.

Ein regelmäßig eintretender Fall ist der, in dem eines der Kinder freiwillig seinen Anteil zugunsten eines anderen (z.B. behinderten oder hilfsbedürftigen) Kindes abgeben möchte. Ein Pflichtteils-berechtigter Erbe kann daher im Voraus auf seinen Nachlass ganz oder teilweise in einem solchen Erbvertrag verzichten.


Ein anderer regelmäßig registrierter Fall ist, wenn das Erbe im Wesentlichen aus einem Unternehmen besteht. Dem Kind, das zum Beispiel das Familienunternehmen in Form von Aktien übernimmt, kann es passieren, dass deren Wert später beim Tod des Erblassers von dem oder den anderen Erben bestritten wird. Die neue Gesetzgebung eliminiert diese Gefahr durch eine besondere Form des Erbvertrages, in dem die Erben den Wert des Erbes am Tag seiner Übertragung endgültig und unwiderruflich festlegen und damit eine größere Rechtsicherheit für den Interessierten schaffen.


Das neue Gesetz ermöglicht es auch, eine Generation durch einen Vertrag über die zukünftige Nachfolge zu überspringen. Damit gibt es den Großeltern die Gewissheit, dass ihre Enkel in jedem Fall ihre Erbnachfolger bleiben.

Fragen? Erwägen Sie eine Erbschaftsregelung? Zögern Sie nicht unsere Spezialistin zu diesem Thema zu kontaktieren.

Nadine Binkert,
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