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Digitalisierung - Was macht thg?

thg: In welcher Weise ist das Metier Buchhaltung/Steuerberatung von der Digitalisierung betroffen?

S. Boskin: Es gibt zwei Ebenen, die interne und die externe. Intern geht es primär darum, Dokumente und Informationen auf möglichst effiziente Art und Weise zu digitalisieren. Im Wesentlichen also zu scannen und auszuwerten. Hier hat die Software-Industrie bereits große Fortschritte bei Qualität und Handhabung gemacht, es gibt aber noch Luft nach oben. Die externe Ebene besteht aus dem digitalen Dokumenten- und Informationsaustausch. Die Kunden fragen noch nicht sehr oft danach. Trotzdem verfügt thg bereits über ein Extranet, über das Daten in einem gesicherten Umfeld mit den Mandanten ausgetauscht werden können.

 

thg: Welche sind die größten Herausforderungen für thg?

S. Boskin: Es gibt eine ganze Reihe von Herausforderungen. Die größten sind sicher die Integration und Vereinfachung der verschiedenen Prozesse und Werkzeuge, so dass der Kunde alle Operationen in einem integrierten Umfeld tätigen kann. Im jetzigen Stadium ist das Angebot auf dem luxemburgischen Markt noch ungenügend integriert, so dass die Kunden noch nicht spontan zur digitalen Kommunikation und Informationsaustausch mit thg wechseln wollen.
Auch müssen wir unsere eigenen Mitarbeiter schulen, damit sie diese neuen Arbeitsweisen beherrschen und den Mandanten auf dem Weg in eine digitale Kundenbeziehung unterstützen. Es entwickelt sich durch die Digitalisierung eine ganz andere Art der Zusammenarbeit und der Kommunikation mit dem Kunden. Bislang bekommt der Kunde nach wie vor Papierdokumente. Sobald er die in der Hand hält weiß er, dass er sie prüfen und weitere Aktionen einleiten muss. Das ändert sich in der digitalen Welt. Dort erhält er eine Email oder einen Alarm. Den kann man als Kunde leichter übersehen als eine Postsendung.
Der Kunde mag sogar denken, dass sich die Arbeit nun fast von selbst erledigt - was aber beim heutigen Stand der Technik noch lange nicht der Fall ist. Das Erfassen der Daten muss hundert Prozent zuverlässig und ergonomisch werden, ehe es einen wirklichen Mehrwert und Zeiteinsparung bringt. Wie anderswo auch in der digitalen Welt erwartet der Kunde dann auch ein unmittelbares Feedback unsererseits. Das wird sicher eine große Herausforderung.

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thg: Das klingt so, als würden die Probleme überwiegen. Der Wechsel zu einer digitalen Welt sollte aber auch Vorteile bringen. Wo liegen denn die "Opportunities"?

S. Boskin: Sobald wir alle Kundendaten und die Zahlen elektronisch zur Verfügung haben, können wir natürlich ganz anders mit den Zahlen arbeiten. Wir können mehr Informationen aus ihnen herausziehen, sie besser vergleichen, dem Kunden präzisere Hinweise zu bestehenden Problemsituationen und zu Verbesserungen oder neuen Geschäftsopportunitäten geben. Wir erhalten auch viel früher einen präzisen Einblick und können schneller gegensteuern, falls etwas sich in die falsche Richtung entwickelt. Wir haben alles in allem eine wesentlich bessere und schnellere Kontrolle.
Die Digitalisierung erlaubt uns auch, den Kunden viel gezielter auf Änderungen der Gesetzgebung oder Optimierungsmöglichkeiten in seinem spezifischen Umfeld hinzuweisen. In Frankreich und Deutschland ist man in dieser Beziehung schon ein Stück weiter, andere Länder werden folgen.
Insgesamt macht jeder Zeitgewinn Zeit für eine intensivere Beratung frei. Wie in anderen Sektoren auch wird der Beratungsanteil in unserer Arbeit an Bedeutung gewinnen, während die Erfassung von Dokumenten einfacher wird und weniger Zeit in Anspruch nimmt. Aber, wie gesagt, so weit sind wir noch nicht...

thg: Ganz brutal gefragt: Werden irgendwann Algorithmen den Steuerberater und Buchhalter überflüssig machen?

S. Boskin: Sicher nicht. Vielleicht wird der klassische Beruf des Buchhalters progressiv wegfallen oder sich zumindest grundlegend ändern. Der des Steuerberaters sicher nicht. Was wir auch feststellen - die Digitalisierung findet ja nicht im luftleeren Raum statt - ist, dass der Gesetzgeber die Freiräume immer stärker eingrenzt. Dadurch wird es immer wichtiger, den Kunden in allen Bereichen der Unternehmensführung zu beraten. Die wirklichen Mehrwerte und das Sparpotenzial liegen oft außerhalb der klassischen Steuerberatung.


thg: Können Sie das näher erläutern?

S. Boskin: Ja sicher. Nehmen wir z.B. die öffentliche Förderung von Forschung und Entwicklung und der Innovation. Hier bietet thg seinen Kunden Beratung zu den steuerlichen Sparpotenzialen beim Schutz geistigen Eigentums an. Oder ein anderes Beispiel: Die Übergabe des Unternehmens an die nachfolgende Generation beinhaltet viele Stolpersteine. Sie kann aber auch zu einem regelrechten Boost führen - wenn man sie rechtzeitig und professionell vorbereitet. Hierfür hat thg die entsprechenden Spezialisten.


thg: Abschließend noch eine Frage zu den Zeiträumen: Wann wir das Thema Digitalisierung abgeschlossen sein?

S. Boskin: Ich sehe kein Ende der Entwicklung. Es wird wohl eher ein kontinuierlicher Prozess werden. thg arbeitet in diesem Bereich eng mit dem lokalen Softwarehouse Intec zusammen. Das ist kein großer Anbieter, aber die jahrelange Zusammenarbeit hat dazu geführt, dass diese IT-Spezialisten unser Metier als Berater sehr gut verstehen und dadurch präzise und effiziente Tools entwickeln und anbieten können. Diese bauen auf erprobten Werkzeugen auf, die über die Zeit entwickelt wurden und sich tausendfach bewährt haben. Schließlich steht auch hier unser Qualitätsanspruch an erster Stelle.